Logbuch: Atlantik-Überquerung 2010




Mittwoch, 22. Dezember 2010 - 12:04 Uhr
2. Platz in der Cruising-Division, Gruppe D

Nach 20 Tagen auf dem Atlantik haben wir mit der Dragonfly am Samstag, den 11. 12.2010 das Ziel Saint Lucia in der Karibik erreicht.

Mit der Preisverleihung am 18.12.2010 war es dann amtlich.
Von den 237 teilnehmenden Segelyachten belegten wir folgende Plätze:
Platz 2 in der Cruising-Division, Class D
Platz 11 in der Gesamtwertung der Cruising-Division
Platz 3 in der Rubrik: Die Yacht mit der größten Fan-Gemeinde


Mit einem so tollen Ergebnis hatte keiner von uns vor dem Start in Las Palmas gerechnet!
Die gesamte Crew bedankt sich herzlichst bei den vielen Fan's der Dragonfly, die täglich unseren Törn "live" verfolgt haben und wir wünschen Euch Allen sehr frohe Weihnachten und segelt gut ins neue Jahr.

Euer
Hajo Wagner


Freitag, 10. Dezember 2010 - 23:07 Uhr
20. Tag Teil 2

Die letzten Stunden!
Grade haben wir die letzten 100 sm mit einer Flasche Sekt begossen. Wir hören Oldies und sind in guter Stimmung. Hajo hat heute Mittag nochmal die Angel ausgebracht und die meldet sich jetzt. Ein großer Mahi Mahi hat sich locken lassen. Ein wunderschönes Tier. Fast komplett goldfarben. Der wird uns heute Abend schmecken!
Plötzlich ein AIS-Signal auf dem Plotter. Die "Kismet", eine Bordaux 60, die wir nach dem zweiten oder dritten Tag aus den Augen verloren haben, taucht plötzlich 10 Meilen entfernt wieder auf.
Der Wind hat stark nachgelassen. Die letzten Stunden werden sich hinziehen. Wir müssen noch einmal umlegen, um in den Kanal zwischen St. Lucia und Martinique zu kommen.
Björn steht wieder am Ruder und schafft 0,5 bis 1 kn mehr als der Autopilot.

Freitag, 10. Dezember 2010 - 16:46 Uhr
20. Tag auf See

Den ganzen Tag und die ganze Nacht von Hand durch gesteuert. Auch heute lässt die Welle keinen Autopilot zu.
Kurz vor Sonnenaufgang drängt Björn schon wieder zum Genaker. Auspacken, die Reste des Bergeschlauchs entfernen, wieder richtig einpacken, anschlagen und hoch damit. Super! Das macht über einen Knoten aus und das Schiff läuft ruhiger. Übernacht mit ausgebaumter Genua raumschots und 6er Wind war schon ein Erlebnis, das gute Konzentration verlangt.
Der Yellowbrick-Tracker funktioniert wieder. Wir haben gegenüber einigen Schiffen aufgeholt, gegen andere etwas verloren. Aber wir sind gut dabei. Besser als ich je erwartet habe. Im Roundcall kündigt die Sulana ihre Zieleinfahrt für 19-20 Uhr an. Wir sind ein paar Stunden später. Aufgrund des Ratings werden wir aber wahrscheinlich vor ihr gewertet.
In der Nacht wurde eine Relingstütze abgerissen. Die gebrochenen Schrauben habe ich aber schon wieder ersetzt.
Backbord querab liegt Barbados, wir haben noch 114 sm vor uns. Heute Nacht wird wohl niemand schlafen gehen. Der letzte Tag - ein komisches Gefühl - dann ist der Atlantik überquert.

Freitag, 10. Dezember 2010 - 00:03 Uhr
19. Tag auf See

Die ganze Nacht und den heutigen Tag mit dem Genaker gegen die Wellen gekämpft. Puh, das zehrt an den Kräften und ist nicht jedermanns Sache.
Die Nacht war wieder klar, und die Sterne geben einen guten Anhaltspunkt zum steuern. Gegen Morgen ziehen Wolken auf und man sieht nichts mehr. Alles ist Ton in Ton. Das macht das steuern etwas schwieriger. Immer ein Auge auf den Instrumenten und ein Auge auf dem Segel. Wir kommen gut voran. Unser Etmal des vergangenen Tages : 214
Eine super Zahl! Heute Nachmittag fällt die 300er Marke. Wir zählen schon fast die Stunden. Der Positionsbericht der ARC ist mal wieder fehlerhaft. Wir werden mit einer Uraltposition auf Rang 82 geführt, wissen aber, dass wir deutlich besser liegen. Im Roundcall merken wir, dass alle uns beobachten und unsere Position wissen möchten.
Wir haben noch zwei Nächte und einen Tag vor uns und alles ist ganz eng (auch wenn wir noch kein weiteres Schiff sehen).
Heute Vormittag hat sich der Bergeschlauch für den Genaker verabschiedet. Der hing ganz lustlos um Vorstag, Want und Saling gewickelt von oben herunter. So können wir das Segel nicht bergen. Also wieder Einsatz für Björn. Mit einem Messer bewaffnet ziehe ich ihn hoch während Martin steuert. Schnell ist das Seil gekappt und Björn wieder unten. Bei den Wellen hat die Mastspitze eine ungeheure Beschleunigung. Aber er schafft es immer recht gut sich fest zu halten. Morgen hat er wieder ein paar blaue Flecken mehr.
Soeben hat sich mal wieder der Achterholer verabschiedet. Irgendwo an der Nock des Spibaumes werden die aufgescheuert. Schnell wieder den Genaker aus dem Wasser geborgen und die Genua ausgebaumt. Das Problem mit der Scheuerstelle müssen wir noch lösen. Wir haben noch einen vollen Tag, den wir unter Genaker fahren wollen.
Unser nächster Wegepunkt liegt 10 Meilen nördlich von Barbados. Ab dann geht es nach Norden mit dem richtigen Wind.
Nicole mailt mir eben, daß unsere Position auch auf der ARC-Seite falsch angegeben ist und somit nichts mehr stimmt. Ich habe das Gerät soeben resetet, vielleicht hilft's ja und morgen ist wieder alles im Lot.

Mittwoch, 8. Dezember 2010 - 22:20 Uhr
18. Tag Teil 2

Nach ein paar Bier haben wir uns alle wieder beruhigt.
Neuer Versuch mit dem Genaker. Vorher auf Deck ausgebreitet, alles gecheckt und dann hoch damit. Super, jetzt läuft's wieder. Im Roundcall wettet Björn mit Allan von der Sulana um den ersten Rumpunsch in Rodney Bay. Das ist natürlich Ansporn für alle (natürlich auch für die Sulana). 20 Minuten später: Peng - der Achterholer reißt. Schon der zweite. "Mein Genaker bringt mich noch um" Schnell geborgen, neuer Achterholer dran (unsere letzte gute Leine) und wieder hoch damit. Das Manöver lief super und ist ein Bier wert. Oh Schreck, das letzt Bier! Das schmeckt besonders gut.
Wenn der Wind so bleibt, lassen wir den Genaker in der Nacht oben. Grade fällt die 500er Marke. Wir wollen Samstagmittag in Rodney Bay sein!
Mit roter Nikolausmütze und einem grauen Sack kommt Hajo an Deck. "Ho, ho, ho, guckt mal was ich mitgebracht habe" Kaum zu glauben, jetzt wird das Bier bis Samstag reichen.
Prost
Andreas

Mittwoch, 8. Dezember 2010 - 17:04 Uhr
18. Tag auf See

Die Nacht verläuft recht unruhig. Eine Kreuzsee hat sich aufgebaut. Man wird in der Koje hin und her geworfen. Zum Frühstück mache ich Rührei.
Wir machen den Genaker klar, bekommen ihn aber nicht zum stehen. Nach drei vergeblichen Versuchen ist die Stimmung hinüber und wir packen das Segel in den Sack. Vielleicht später nochmal. Mit Groß und Genua machen wir 9 Knoten. Unser Etmal von gestern 222 sm !!!!! schaffen wir so nicht nochmal.

Dienstag, 7. Dezember 2010 - 22:54 Uhr
17. Tag Teil 2

Den 45. Längengrad haben wir gestern überfahren. Zu Mitternacht haben wir dann die Uhr um eine Stunde vor gestellt.
Den ganzen Tag super Wind mit 6 - 7 Bft
Björn steuert fast den ganzen Tag. Der Autopilot kommt mit den Verhältnissen unter Genaker nicht klar. Hajo und ich lösen ihn stundenweise ab.
Im Rollcall erfahren wir, dass ein Schiff in unserer Gruppe sein Groß verloren hat und ein weiterer in der Nacht in einem Squall den Spi.
Am späten Nachmittag findet Martin einen Bolzen an Deck und zeigt ihn mir. In der Hektik des Augenblicks vergesse ich ihn. Eine Stunde später finde ich den zweiten Bolzen an Deck. Jetzt fällt mir der erste auch wieder ein und eine innere Unruhe befällt mich. Wo kommen die Bolzen her. Schnell wird das Rigg gecheckt. Nichts zu sehen. Björn erklärt sich sofort bereit in den Mast zu steigen. Bei den Wellen ist das gefährlich. Aber wir brauchen Sicherheit. Schnell den Genaker bergen - das läuft gründlich schief, aber egal, das klären wir morgen. Ich ziehe Björn hoch, er checkt die Salings, Stage und Wantenbeschläge. Nichts. Schnell wieder runter. Wir wissen zwar immer noch nicht woher die Bolzen kommen, aber wir fühlen uns etwas sicherer. Mit Groß Genua und Kuttersegel geht's in die Nacht. Wir machen zwar nicht mehr die Geschwindigkeit aber den Genaker bekommen wir erst Morgen wieder klar. Mittlerweile ist die 700 sm Marke gefallen.

Dienstag, 7. Dezember 2010 - 18:51 Uhr
17. Tag auf See

Wahnsinn!!!!
Das ist Passatsegeln vom feinsten!
Die Nacht durch mit Vollzeug. 7 Bft halber Wind, da schmelzen die Meilen nur so dahin.
Die meisten Segler haben jetzt diesen tollen Wind. Aber ich bin trotzdem auf den Positionsbericht gespannt.
Meines Erachtens müssen wir wieder Plätze gut gemacht haben.
Unser Etmal gestern: 199 sm! Das werden wir heute toppen. Hoffentlich hält das Material. Björn ist nicht zu bremsen. Grade standen 14 kn auf der Uhr.
Die Sonne brennt vom Himmel und die Stimmung ist super. Noch 770 Meilen. Zur Welcome-Party sind wir da.

Dienstag, 7. Dezember 2010 - 06:33 Uhr
16. Tag Teil 2

In der Entfernung sehen wir einen Segler. Aber kein AIS-Signal auf dem Bildschirm. Ich versuche über die Positionsmeldung der ARC herauszufinden um wen es sich handelt. Da ruft er auch schon über Kanal 16. Französisch! Martin ist sofort an der Funke und unterhält sich mit ihm. Er will die Windverhältnisse wissen. Er hat keine Windex-Anlage. Auch ist er kein ARC-Teilnehmer und will nach St. Martin. Martin gibt ihm die gewünschten Infos und wünscht ihm eine gute Fahrt.
Wir haben nach wie vor guten Wind mit 5-6 Bft. Für die Nacht bergen wir den Genaker, am Horizont sind ein paar Squalls zu sehen. Mit Groß und zwei Vorsegeln geht's in die Nacht. Gleich fällt die 900 sm Marke und wenn alles gut läuft, schaffen wir vielleicht noch die Welcome-Party der ARC.
Hajo und Martin bereiten wieder ein tolles Abendessen. Wahoo asiatisch, mit Curryreis und Ananasstücken. Super.
Bei dem Seegang ist das Essen nicht so einfach. Dabei fliegt schon mal ein Glas Wein oder eine Bierdose um. Björn und ich machen den Abwasch.....
"müssen die eigentlich immer so aufwendig kochen???" Aber auch das ist schnell erledigt.

Montag, 6. Dezember 2010 - 15:22 Uhr
16. Tag auf See

6. Dezember - Nikolaus
Die vergangene Nacht war unsere beste bisher. Kurz vor Sonnenuntergang frischt der Wind so auf, dass wir uns entschließen, den Genaker zu bergen. Nicht so einfach bei dem Wind. Weiter geht's dann mit Genua, Kutter und Groß. Wir fahren konstante 8-9 kn auf Halbwindkurs bei 5-6 Bft.
Das Genakermanöver kam mal wieder im passenden Augenblick. Der Wind blies mit kräftigen Böen, während Hajo grade das Abendessen (Marlin) fertig hatte und seine Angel abrauschte. Schnell den Fisch ins Boot geholt (ging diesmal überraschend schnell). Es war ein ca. 120 cm langer Wahoo. Ein exzellenter Speisefisch. Dann den Genaker. Das Abendessen musste so lange warten.
Über Nacht baut sich eine unangenehme Kreuzsee auf. Wir werden ganz schön durchgeschüttelt. Wasser spritzt über die Bordwand aber der Bug taucht nicht unter. Jetzt zahlt es sich aus, dass wir vor der Abfahrt in Las Palmas den Anker nach hinten und die schwere Ankerkette in den Kiel verstaut haben. Schon auf der gesamten Fahrt bringt uns das mehr Stabilität. Jetzt hilft es in der Welle.
Zum ersten Mal haben wir ein Etmal von knapp 190 sm geschafft. Wir versuchen das noch auf 200 zu steigern.
Der Autopilot müht sich mit den Verhältnissen klar zu kommen und uns auf Kurs zu halten. Tatsächlich gelingt es ihm besser als mir.
Der erste Segler ist in Rodney Bay angekommen. Eine Swan 80. Ab jetzt geht es Schlag auf Schlag.
Wir brauchen noch ein paar Tage.

Sonntag, 5. Dezember 2010 - 20:42 Uhr
15. Seetag

Endlich! Jetzt läuft`s. Seit gestern haben wir ihn. Den Passat.
Die Nacht war unruhig, die Wellen kamen ungünstig. Irgendwann in der Nacht haben wir den Genaker heruntergeholt und unsere zwei Vorsegel gesetzt. Im Morgengrauen sofort wieder den Genaker. Gegen 13 Uhr riss das neue Spifall. Wie in Zeitlupe kam der Genaker herunter und es bereitete einige Mühe ihn aus dem Wasser zu bergen. Um das zweite Spifall nicht unnötig zu gefährden, steigt Björn wieder in den Mast und betreibt Ursachenforschung. Bei der Welle, ein abenteuerliches Unternehmen. Die Mastspitze schwenkt gut 3 Meter nach jeder Seite. Damit hat er sich ein Bier verdient.
Zwei Squalls sind im Anmarsch und wir verzichten erst einmal auf den Genaker. Erst mal abwarten, was da auf uns zu kommt.
Im Rollcall bestätigt jeder in unserer Nähe einen guten Wind. Jetzt beginnt der finale Wettlauf. Wir haben noch über 1100 sm vor uns. Wer hat jetzt die beste Position, wer die beste Besegelung? Bin gespannt auf den nächsten Positionsreport.

Sonntag, 5. Dezember 2010 - 08:37 Uhr
14. Tag auf See

Was für ein Tag?
Gestern noch Langeweile. Die ganze Nacht gesegelt. Mit Genaker und ca. 5 kn durch die sternenklare Nacht. Der Mond kommt spät mit nur noch 4% und lässt die Sterne funkeln. Der Orion dreht sich während meiner Wache um die Mastspitze. Immer wieder Sternschnuppen. Dann ab in die Koje und schlafen. Frühstücke zusammen mit Björn. Martin und Hajo sind schon fertig.
Björn will in den Mast, ein neues Fall einziehen. Gestern ist bei einem Genakermanöver die Reihleine gerissen. In voller Fahrt unter Genaker ziehe ich Björn nach oben. Dabei stellt er fest, daß die Rolle für das Spifall kurz vor dem Brechen ist. Also runter und neue Rolle mitnehmen. Drei mal ist er oben, der Genaker auf dem neuen Fall und die Rolle getauscht.
Ein fliegender Fisch landet an Bord. Björn kann ihn noch lebend wieder zurück werfen.
Danach ist Wäsche angesagt. Ich versuche in einem großen Eimer meine Wäsche sauber zu bekommen. Das gelingt nur mäßig. Aber sie riecht jetzt wieder gut. Martin und Hajo schließen sich an. Die Reling hängt bis in den Bug voll mit Wäsche. Zum Glück sieht uns keiner.
Der Wind frischt auf und Björn sucht den neuen Geschwindigkeitsrekord. Sicherheitshalber hole ich meine Wäsche ein. Da schnurrt plötzlich meine Angel los. Ein Sprung an die Rute. Grade rechtzeitig, bevor der Fisch die ganze Leine gezogen hat. Dabei war die Bremse schon recht fest. Björn sofort:"Wenn das ein Thun ist, werf ihn sofort wieder über Bord!" Ein langer Kampf beginnt. Mit 9 kn Fahrt aussichtslos. Björn bricht seinen Rekordversuch sofort ab und hilft letztendlich mit der Maschine nach die Geschwindigkeit zu reduzieren. Martin und Hajo helfen beim Drill. Nach einer Stunde haben wir einen 2 Meter langen Marlin am Boot. Mit gemeinsamen Kräften gelingt es uns den Fisch an Bord zu holen.
Was für ein Prachtexemplar. Viel zu schwer, um ihn für ein Foto hoch zu halten. Björn hat ihn schnell in 10 große Portionen geteilt. Der Rest wird großzügig über Bord ins Meer gegeben. Martin und Hajo versuchen ihn grade in die Kühlschränke zu verstauen.
Der Wind hat uns heute ein gutes Stück Richtung St. Lucia gebracht. Jetzt, gegen Abend lässt er etwas nach, aber wir hoffen auf eine weitere motorfreie Nacht.
Zum Abendessen gibt es heute: Marlinfilet

Freitag, 3. Dezember 2010 - 20:13 Uhr
13. Seetag

Jetzt wird es langsam langweilig. Die ganze Nacht motort. Der Diesel stottert vor sich hin und bringt kaum Drehzahl. Kurz vor Sonnenaufgang haben wir dann erst mal den völlig verdreckten Filter gewechselt. Zum Glück habe ich in Las Palmas 10 neue gekauft. Dann wieder Wind. Mit 7 kn kommen wir wieder ein Stück vorwärts Jetzt, gegen 15 Uhr UTC schläft er wieder ein. Der Rollcall bestätigt, dass wir nach wie vor gut liegen, aber wir wollen vorwärts kommen. Gestern haben wir kaum Meilen gut gemacht. Laut Prognose aus der Schweiz bekommen wir erst übermorgen guten Passatwind. Wir können es kaum erwarten.

Donnerstag, 2. Dezember 2010 - 18:48 Uhr
12. Tag auf See

Nachtrag
In Las Palmas haben wir unseren Tank nicht voll gemacht. 800 Diesel - wofür? wir haben ja eine Segelschiff und keine Motoryacht. Das Gewicht kann man ja sparen. Mit einem flauen Gefühl im Magen stimme ich dem zu. Als uns dann südlich der Kap Verden der Wind verließ und wir doch viel motoren mussten, kam Unruhe auf. Martin hatte sofort Bedenken, dass er seinen Flug am 17. nicht mehr erreicht und in der Flaute abwarten bis Wind kommt, macht auf Dauer auch keinen großen Spaß. Eine Badepause ist ja ok, aber über Tage? Also Motor an und Richtung Wind fahren.
Am Donnerstag den 2.12. diskutieren wir nochmal über den Dieselvorrat und die sich durch Rationierung ergebenden Folgen. Wir brauchen Strom. Ohne Strom läuft auf meinem Schiff kaum etwas. Die Winschen lassen sich noch manuell bedienen, aber die Toilettenpumpen nicht mehr. Beleuchtung, Navigation, der Furler für das Groß, Frisch-und Abwasserpumpen, selbst das Ventil für das Gas wird elektrisch geschaltet. Die Batterien haben ein Problem und so muss der Generator jeden Tag 3 bis 4 Stunden laufen.
Wenn wir noch ein paar Tage ohne Wind sind, wir die Morgentoilette bald in einem Eimer verrichtet.
Nach der Diskussion lege ich mich schlafen. Ca. eine halbe Stunde später weckt mich Hajo: "Andreas, ich glaube ich habe ein Lösung für unser Problem!" Ich:"Welche" Hajo:" ungefähr 10 Meilen hinter uns fährt ein Tanker, den könnten wir ja mal anfunken" Das AIS-SIgnal hatte ich schon vorher gesehen: Tanker; 247 m Länge; 48 m Breite, Tiefgang 14,5 m; SOG 13,2 kn. In der sicheren Überzeugung, daß der Kapitän des Tankers erst gar nicht reagiert oder bestenfalls uns auslacht, sag ich. "versuch's halt", dreh mich rum und schlaf sofort wieder ein. Keine zehn Minuten später ist Hajo wieder da: "Ich glaub, der will halten" ich. "Du spinnst!" Ich ziehe mich an und gehe an Deck. Martin ist in guter Stimmung und glaubt auch, dass der Tanker aufstoppen wird. Nachdem ich mir nochmal vom Tanker habe bestätigen lassen, dass es auch Diesel und kein Schweröl oder sonstiges ist, was er für uns hat, gehe ich darauf ein. Tatsächlich, nachdem wir etwas in seinen Kurs gelaufen sind, stoppt er auf. Unglaublich! Martin und ich sitzen dann schon im RIB und fahren rüber. An langen Seilen läßt uns die Mannschaft alte Kanister von der hohen Bordwand herab. Dreimal fahren wir um Kanister zu holen. Der Kapitän wird schon ungeduldig. Er will wieder weiter. Das Aufsteigen großer dunkler Rauchwolken zeigt uns, dass er wieder Gas gibt. Nach ca. 10 Minuten setzt er sich dann auch wieder in Bewegung.
Die ganze Aktion hat ca. eine Stunde gedauert. Hajo hatte eine Riesenspaß dabei, Martin ist froh, dass sein Rückflug gesichert ist, Björn kann das alles gar nicht glauben, verrenkt sich fast den Rücken beim einfüllen der Kanister und ich habe jetzt dreckigen Diesel im Tank. Dann kam der Wind und wir kommen mir mehr Diesel in Rodney Bay an, wie wir in Las Palmas im Tank hatten.
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In der Nacht zwingt uns ein Squall den Genaker zu bergen. Da Manöver klappt eher schlecht und dauert recht lange. Bis das Segel verstaut ist, sind wir vier komplett nass. Hinter dem Unwetter schläft der Wind ein. Also muss der Motor wieder herhalten. Zum Frühstück diskutieren wir nochmal über den Dieselvorrat, eine Deadline für den Motor und evtl. daraus ergebende Konsequenzen. Danach verabschiede ich mich ins Bett.
Im Laufe des Vormittages lösen wir dann unser Dieselproblem!
Wie? Ne, ne, das verrate ich nicht. Das glaubt mir eh keiner. Und Fotos kann ich wegen der schlechten Übertragungsrate nicht liefern. Das ist so unglaublich, das ist was für einen langen Winterabend vor dem Kamin: "Es war einmal der Opa...."
Das Zeug sieht aus, wie, wenn der kleine Leon von gegenüber bei einem Waldspaziergang mit seinen Gummistiefeln fünf Minuten in einer Pfütze umher springt.
Wahrscheinlich war das mein zweiter Fehler auf dieser Reise. Aber zwei Drittel meiner Mannschaft ist glücklich.
Mittlerweile segeln wir wieder. Steil nach Norden, wo wir eigentlich gar nicht hin wollen und mit geringer Geschwindigkeit. Aber das Motorgeräusch mag auch keiner mehr hören. Mit dem Adventskalender war heute Hajo dran. Aber durch die ganz Aufregung heute Vormittag hat er den ganz vergessen. Jetzt schläft er.
Der Rollcall heute Mittag bring nicht viel Neues. Kein Wort von unserem Abenteuer und die Anderen sind kaum zu verstehen.
Wenn wir nicht bald beständigen Passat bekommen befürchte ich eine Meuterei. Aber für das Wetter kann ich auch nichts.
Warum bleibt der sonst so zuverlässige Wind dieses Jahr aus?

Mittwoch, 1. Dezember 2010 - 20:06 Uhr
11. Tag auf See

Seit heute Nacht haben wir Wind!
Weit vor Mitternacht fing es an. Groß, Genua und Kutter gesetzt. Motor endlich aus. So geht es durch die Nacht. Im Morgengrauen dann der Genaker. Mit 8 - 9 kn rauschen wir gen Westen. Die Dünung kommt von Norden, der Wind von Osten. Es ist etwas unruhig, aber es geht voran.
Im Adventskalender waren heute 4 kleine Lebkuchen. Jeden Tag darf ein Anderer ein Säckchen aufmachen. Heute war Martin dran und teilt auch schön mit uns.
DTD ist unter 1700 und irgendwo, knapp über 1600 ist Bergfest. Also heute abend. Dafür haben wir uns eine Dose Krombacher aufgehoben.
Martin macht sich Sorgen um seinen Rückflug. Durch die Windverhältnisse und unseren Umweg um die Kap Verden haben wir bestimmt zwei Tage gegenüber der ursprünglichen Planung verloren, aber um den Flug braucht sich keiner Sorgen zu machen.
Von Südwesten zieht ein Hoch herauf. Wir hoffen, dass wir es südlich umfahren können, ohne weiter abfallen zu müssen.
Hajo fängt zur Abwechslung mal ne Möwe. Sollte es doch noch "Möwe in Honig" geben?
Der erste fliegende Fisch landet an Bord. Die sind viel zu klein um sie zu verwerten, obwohl sie in Mittel- und Südamerika gerne gegessen werden. Wir werfen ihn wieder ins Wasser.

Dienstag, 30. November 2010 - 22:45 Uhr
10. Seetag

Seit gestern Nachmittag hat uns der Wind verlassen. Über den Atlantik motoren, war nicht mein Plan. Der Passatwind lässt auf sich warten. Pünktlich zum Abendessen nähert sich "unser" erster Squall. Da wir außer dem Groß kein Tuch oben haben, bereiten wir uns auch nicht weiter vor und warten was passiert. Der Squall zieht nach Süden ab und löst sich auf. In der Nacht nähern wir uns einer dunklen Wolkenwand. Lange waagerechte Blitze zucken durch den Himmel und erhellen für Sekundenbruchteile das Meer. Das sieht aus, wie mit Cellophan bespannt und erinnert mich an das Bühnenbild der Augsburger Puppenkiste. Nicht das leiseste Kräuseln auf dem Wasser. Das Radar zeigt zwei Squalls vor uns. Wir fahren zwischen ihnen hindurch und bekommen so gegen Morgen auch noch etwas Wind ab. Unbemerkt bekommen wir in der Nacht Besuch von einem kleinen Vogel. Der sitzt plötzlich im Salon und ruht sich aus. Nachdem er sich dort auch noch ausgiebig erleichtert hat verlässt er uns wieder und fliegt ins Nichts.
Gegen 10.30 Uhr schläft der Wind wieder ein. Wir dümpeln vor uns hin und kalkulieren unsere Dieselvorräte. Der Generator wir einiges brauchen. Die Batteriekapazität liegt etwa bei der Hälfte des Normalen. Aber wir können uns noch etliche Stunden unter Motor erlauben. Spätestens ab nächster Nacht rechnen wir mit beständigen Tradewinds, dann brauchen wir die Maschine nicht mehr. Die Übertragung von Emails wird immer schwieriger, und ich brauche manchmal stundenlange Versuche, bis ich einen halbwegs guten Connect habe. Wir nutzen "jede Böe". Der Windanzeiger hat unsere volle Aufmerksamkeit. Sobald er für länger als 2 Minuten über 7 kn anzeigt wird der Genaker hochgezogen und ausgebaumt. Ein halbe Stunde später wieder alles abbauen. So vertreiben wir uns den heutigen Tag. Zum Abendessen gibt es Bratkartoffeln "del la Casa", einen Sundowner und wir bereiten uns auf die Nacht vor. Ein Telefonat mit Martin bestätigt uns und wir freuen uns gemeinsam über die gute Strategie und die momentan gute Platzierung.
Den 30. Längengrad haben wir heute Nachmittag überquert und unsere Uhren entsprechend eine Stunde zurück gestellt.
DTD ist jetzt unter 1800.

Montag, 29. November 2010 - 18:53 Uhr
9. Seetag

Hoffentlich kommt meine Mail heute durch.
Heute früh kam wieder Wind. Sofort den Genaker raus! Beim hochziehen sehen wir die Bescherung: Drei Löcher in dem doch so wichtigen Segel. Sofort wieder runter, ins Cockpit und notdürftig geflickt. 2. Versuch: Kaum steht das Segel sehen entdecke ich ein weiteres Loch. Alles wieder zurück, flicken und nochmal hoch. Die Sonne brennt schon ganz gut. 30 Grad. Jetzt haben wir uns aber erst mal ein Bier verdient. Björn und ich ziehen erst mal unsere total verschwitzten T-Shirts aus. Ein paar Stunden später schläft der Wind wieder ein, um dann am Nachmittag nochmal aufzufrischen. In den Abend fahren wir unter Motor. Ganz glattes Meer, nur dieses imposante lange Atlantikwelle. Hajo fängt zum Glück wieder keinen Fisch. Einen haben wir ja noch und heute Abend ist Fleisch angesagt. Das muss spätestens heute gegessen werden.
Der Rollcall ergibt, dass wir etliche Plätze wieder gut gemacht haben. Einige Schiffe laufen jetzt die Kap Verden an, um nachzutanken. Bei der Flaute im Norden reicht für viele der Diesel nicht. Hoffentlich bekommen wir bald wieder Wind.

Montag, 29. November 2010 - 06:52 Uhr
8. Seetag

Sonntag, 28.11.2010
Heute ist 1. Advent. Zu Hause liegt Schnee und der Weihnachtsmarkt hat geöffnet.
Meine Wache mit Björn endet um 7 Uhr Ortszeit. Sonnenaufgang 6.43 Uhr 26 Grad Luft- und 31 Grad Wassertemperatur.
Björn weckt Hajo und macht dann Frühstück. Martin wollte schlafen. Seine Wache ging bis 5 Uhr.
Die Nacht war ruhig mit böigem Wind. Wir laufen Südwest um einem von Nordwest kommenden Hoch südlich auszuweichen.
Dank eurer Hinweise, weiß ich jetzt, dass noch 5 weitere Schiffe unseren Kurs genommen haben. Keines dieser Schiffe gibt eine Positionsmeldung ab. So blieben sie für uns verborgen. Wenn wir übermorgen das Hoch passiert haben können wir wahrscheinlich direkten Kurs auf St. Lucia nehmen. Die Windrichtung wird dann unser Vorteil gegenüber den nördlichen Schiffen sein. Die kämpfen im Moment gegen ein Tief im Norden des Feldes, bzw. mit Flaute und wechselnden schwachen Winden südlich davon.
Die Aufholjagd hat begonnen.
Um 15.50 Uhr haben uns die Ausläufer des Hochs erreicht. Viel früher als erwartet. Aber was früh kommt, geht auch wieder früher (hoffentlich) Seit 16.10 Uhr läuft der Motor. Vorher haben wir noch eine kleine Badepause gemacht.
Zu Mittag gab es Thunfischsalat. Björn hat einen der zwei Skip Jacks verarbeitet. Der Salat reicht noch für heute Abend und der Rest vom Fisch kommt in die Spaghettisoße. Hajo verstößt gegen mein Angelverbot. Bisher zum Glück erfolglos. Unsere Bordspannung bereitet Probleme. Wahrscheinlich ist mindestens eine der Batterien kaputt. Täglich muss der Generator für mehrere Stunden laufen.
Den ganzen Tag versuche ich schon über SSB Mails zu versenden. Entweder sind die Stationen besetzt, oder ich bekomme keinen Kontakt. Das funktioniert leider nur spät abends.
Um uns herum ist nichts. Kein Land, kein Schiff, nicht einmal Flugzeuge sieht man hier.
Die heutige Funkrunde war wieder recht mühsam. Keiner konnte die Meldungen richtig verstehen. Es gab viele Rückfragen und viel Missverständnisse. Ein paar Positionen konnten wir mitschreiben und wissen, dass wir nicht schlecht liegen. Morgen wird unser Computer die Entfernung zum Ziel endlich unter 2000 sm anzeigen, dann haben wir aber auch schon 1300 auf der Logge.
Wieder ein grandioser Sternenhimmel. Auch, oder gerade deshalb, wenn ich mich mit diesem Thema noch nie ernsthaft beschäftigt habe, ist der Blick in einen solchen Nachthimmel für mich immer wieder faszinierend. Satelliten ziehen kaum sichtbar ihre Bahn und hin und wieder fällt eine Sternschnuppe vom Himmel. Mache scheinen so nahe, dass man glaubt, den Aufschlag auf's Wasser hören zu müssen.

Samstag, 27. November 2010 - 15:50 Uhr
7. Seetag

Wir fühlen uns schon fast einsam hier. Im Westen liegen die Kap Verden, von denen wir nichts sehen und 300 sm östlich liegt Dakar. Dazwischen ein paar Frachter und Tanker auf dem Radar. Wir rauschen mit 9-10 kn durch die Nacht. Der Plotter zeigt eine Spitze von über 11 kn an, aber das hat die Wache wohl verschlafen. In der Bugkabine rauscht es wie an einem Gebirgsbach. Martin und Björn kommen nicht richtig zur Ruhe. In gut einer Stunde ändern wir den Kurs in Richtung St. Lucia. Dann sind es noch rund 2.200 sm. Wir sind alle schon gespannt auf die Positionsmeldungen der Anderen heute Mittag. Wenn wir ab jetzt gen Westen rauschen, verbessert sich die Platzierung automatisch. Noch glauben wir, dass wir alles richtig gemacht haben.
Bis auf den Biereinkauf. Irgendwer hat da nicht aufgepasst.

Samstag, 27. November 2010 - 09:26 Uhr
6. Tag auf See

Die Schlechtwetterfront hat uns verschont. Die Nacht war ruhig aber mit gutem Wind. Nach der letzten Wache habe ich lange geschlafen und mal wieder das Frühstück verpasst. Erneut diskutieren wir über den richtigen Kurs. Dann legen wir um und gehen weiter südlich, so dass wir die Kap Verden östlich passieren können. Ich glaube, wir sind die Einzigen, die das wagen. Außer vielleicht die Bluewater Mooney. Die haben wir aus dem "Blickfeld" verloren. Im vergangenen Jahr, sind alle Schiffe viel weiter nördlich nach Westen gegangen. Eine oder zwei mussten die Kap Verden wegen technischer Probleme anlaufen. Und wir gehen freiwillig außen rum. Der tägliche Rollcall bestätigt uns dann. Fast alle Schiffe hängen fest, während wir mit 7,5 kn vor dem Wind segeln können. Als wir unsere Position durchgeben, kommen ungläubige Nachfragen und Anerkennung für die Entscheidung. Alan von der SULANA meint, dass er lange mit sich gehadert hat, jetzt aber dann doch Richtung Westen abgebogen ist.
Das gibt der Stimmung an Bord Auftrieb. Als dann noch zwei Gelbflossenthunfische anbeißen, ist die Welt wieder in Ordnung. Hajo hat seinen Thun schnell an Bord. Ich brauche etwas länger. Björn hilft mit dem Gaff und beim Ausnehmen. Leider gleitet ihm mein Thun beim säubern wieder aus den Händen. Das Betäuben mit Schnaps hinter die Kiemen bewährt sich. Die Fische sind sofort ruhig. Aber schade um den Jack Daniels!
Heute Nacht passieren wir die erste Insel. Hoffentlich finden wir im Süden den Passat, der uns nach Westen bringt. Werde gleich nochmal unseren "Wetterguru" Martin in der Schweiz anrufen.
Aktuell stellt sich jetzt die Frage, was es heute zum Abendessen gibt. Thunfisch mit Knoblauch oder Knoblauch mit Thunfisch. Egal, was Hajo kocht, schmeckt immer. Das letzte frische Gemüse muss jetzt verbraucht werden.
Die Temperaturen steigen langsam. Gestern habe ich die erste Nacht im T-Shirt an Deck verbracht. Seit gestern sehen wir auch immer mehr fliegende Fische. Bisher fliegen sie noch vom Schiff weg. Bin mal gespannt, wann wir den ersten auf Deck finden.

Donnerstag, 25. November 2010 - 09:14 Uhr
Totale Flaute

Alle haben die Maschine an und holen auf. Wir werden langsam nervös. Von "zu Hause" werden die Platzierungen durch gegeben. Schon 106. Dabei lagen wir so gut.
Seit 14.16 Uhr läuft auch unser Diesel. Das Meer ist fast spiegelglatt. Wir fahren weiter gen Süden und werden wohl auch die Kap Verden in Südrichtung passieren. Aber soweit sind wir noch nicht. Ich habe den Trick mit Sailmail jetzt raus: Abends über Lunenburg, das klappt sehr gut, zumindest im Moment. Habe in kurzer Zeit mehrere Wetterberichte (teilweise noch von gestern) und Mails erhalten. Stefan wundert sich, dass wir unser Gästebuch nicht einsehen. Aber wir haben an Bord kein Internet. Nur Funk. Also neue Infos gibt es ab jetzt abends. Der heutige Tag war ziemlich ereignislos. Kein Wind, keine Welle, da hab ich erst mal ne Maschine Wäsche gewaschen.
Jetzt läuft der Diesel, aber wir rechnen in 2 Stunden mit etwas Wind. Hoffentlich. Den Thun von gestern haben wir nur zur Hälfte gemacht, was völlig ausreichend war. Dazu einen Gurkensalat (die müssen jetzt weg) und Tiramisu. Es geht uns gut.
Liebe Grüße
Andreas

Mittwoch, 24. November 2010 - 19:23 Uhr
4. Tag

Gestern hat Hajo den ersten Thunfisch gefangen. Das Abendessen war gerade fertig. Deshalb ist er heute Abend dran. Wir freuen uns schon alle darauf.
Das Wetter ist gut, die Sonne scheint, nur nachts wird es recht frisch. Delphine besuchen uns jetzt öfter, auch nachts sehen wir im silbrigen Mondschein die schlanken, kraftvollen Tiere um unseren Bug spielen. Es ist wirklich schön anzusehen, wie sie anscheinend Spaß dabei haben durch die Bugwelle zu springen. Mache drehen sich auf die Seite und schauen mir direkt in die Augen. Letzte Nacht verließ uns der Wind fast ganz. Eine verzweifelte Wende bringt uns zwar ein paar Meilen nach Westen, aber dort gibt es nach Wetterkarte länger keinen Wind. Als zurück Richtung Süden, auch wenn wir jetzt unserem Ziel kaum noch näher kommen.
Die Bordaux 60 "KISMET" von gestern hat uns doch glatt mit kleinem Vorsegel überholt! Wie das auch noch eingeholt wurde und die Geschwindigkeit nicht nachließ, wußten wir auch warum. Das scheinen einige Yachten in unserem Umkreis zu machen. Wir nicht. Wir halten unter Segel durch.
Heute früh hab ich Rühreier zum Kaffe gemacht. Käsebrot und Tomaten. Das bringt einen wieder in Stimmung.
Sailmail hat leider die Serverzeit begrenzt. Unsere Wochenzeit haben wir gestern schon aufgebraucht. Deshalb hab ich von gestern auch keine Wetterkarte mehr bekommen. Über SatPhone habe ich mit einer Mail um eine großzügige Verlängerung gebeten. Heute war ich dann wieder frei geschaltet. Wer weiß für wie lange.

Schöne Grüße Andreas

Dienstag, 23. November 2010 - 13:11 Uhr
3. Tag

Neben flauen Winden hatte der gestrige Nachmittag aber noch mehr zu bieten: Begegnungen mit 2 kleineren Walen (keine Schweins-, keine Buckel-, aber was dann?) und eine große Schule von sicher 20-25 Delphinen, die lange beim Schiff bleiben. Leider hatten wir auch einen Verlust zu beklagen: der Große Willi, ein naturgetreuer Tintenfischnachbau in Gelbgrün, Hajo's Lieblingsköder, wird gleich bei seinem 1. Einsatz gemeinsam mit der 3mm dicken, geflochtenen Leine abgerissen und schwimmt jetzt im Maul eines Riesenfisches durch den Atlantik.
Gegen Abend brist es wieder auf und in der Nacht bekommen wir ONO bis 23kn; dank perfekter Gennaker-Einstellung erreichen wir bei Kurs 220 Grad die bisherige Spitzengeschwindigkeit von 12kn über Grund! Surfen auf der Welle erhöht den Spaß! Mehrere nahe Begegnungen mit Frachtschiffen und Tankern, die offenbar von den Kapverden oder W-Afrika nach Gibraltar fahren. Der Wind bläst die letzten Wolken weg, es folgt eine sternenklare Nacht mit einem auf der Deichsel stehenden Großen Wagen, einem flach hingestreckten Orion und gegen Morgen rötlich aufgehender Venus.
Zum Frühstück dann die gute Nachricht vom fleet viewer, durchgegeben von Nicole: wir sind am 41. Platz in der Cruising Division. Die gute Stimmung kann auch durch die Kismet nicht getrübt werden, die in 2sm Entfernung offensichtlich ohne Groß, nur mit Genua mit 9kn parallel fährt...?! Festlegen des neuen Kurses dann nach dem nächsten Wetterbericht.
Viele Grüße von Martin, Björn, Hajo und Andreas

Montag, 22. November 2010 - 20:58 Uhr
Angelschnur bereits gerissen!

Gestern, nach dem Start in Las Palmas, haben wir uns relativ weit von der Insel entfernt gehalten und hatten dadurch einen besseren Wind als die Yachten, die dicht unter Land liefen.
Wie wir aus unserer Sicht beurteilen können, befinden wir uns im ersten Drittel der Cruising Division. Die erste Nacht war sehr ruhig und der Vollmond bescherte uns viel Licht. Es sind nur noch sehr wenige Yachten in unserer Nähe, weil ein jeder seinen eigenen Kurs über den Atlantik wählt.
Heute am Tage hat der Wind abgeflaut und wir liefen etwa 6 bis 7 kn.
Kurz vor Mittag kreuzten etwa 4-6 Wale sehr knapp vor unserem Bug unseren Kurs. Einige Zeit später waren wir umgeben von etwa 25-30 Delphinen, die uns eine Strecke begleiteten. Wir haben den ganzen Tag vergebens versucht, einen Fisch fürs Abendessen zu fangen. Leider ist uns dies nicht gelungen und so gab es Cous Cous mit Paprika und ohne Fisch. Den Nachtisch krönte ein Glas Carlos I.
Kurz nach dem Essen hörte ich dann Andreas ganz aufgeregt "Hajo" schreien. Meine Rolle mit dem größten Köder hatte sich abgespult. Ich kam leider zu spät, die extrem starke Schnur war gerissen. Schade, es muss wohl etwas Größeres gewesen sein.

Montag, 22. November 2010 - 07:53 Uhr
Seit heute Vormittag auf dem Wasser.

21.11.2010
seit heute Vormittag sind wir auf dem Wasser.
Früh aufgestanden und gut gefrühstückt. Um halb 10 kommen Betti und Nicole an Bord. Eine Stunde später eine herzliche Verabschiedung und wir legen ab.
Letztes Winken an der Mole dann sind wir weg und warten auf den Start.
Aus dem Gedränge vor der Startlinie halten wir uns raus und gehen mit den Letzten durch den Start. Ein unglaubliches Bild. Über 200 Segler, meist mit bunten Gen- oder Spinnakern bestückt. In den nächsten Stunden rollen wir das Feld von hinten auf. Am späten Nachmittag sind außer den Racern nicht mehr viele Schiffe vor uns. Fantastisch! Nach einem leckeren Abendessen legt sich ein Teil der Crew in die Koje. Bis zur ersten Nachtwache bleibt noch etwas Zeit.
Ich sitze an Deck und beobachte den Sonnenuntergang an backbord, während an steuerbord der Vollmond erscheint. Der Wind bläst konstant mit ca. 20 kn. Wir lassen unseren Genaker vorerst stehen. Das Schiff läuft fantastisch.
Unsere erste Nacht auf See bricht herein.

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